Peter Kraus im Interview

Im Vorfeld zu seinem Auftritt am 14.08.2010 um 20 Uhr im Schloss Broich im Rahmen der Ruhrbühne 2010 hatte ich die Gelegenheit, ein sehr informatives und nettes Interview mit Peter Kraus führen zu können.

    Nicole Trucksess: Herr Kraus, wie haben Sie zur Musik gefunden? Wurden Sie von Ihren Eltern unterstützt?

    Peter Kraus: Mein Vater startete genauso wie ich. Er hat auch mit 16 Jahren seine erste Platte gemacht. Er war Künstler, Regisseur, hat Operetten gesungen. Zu dem Zeitpunkt war er Kabarettist und ich bin mit Musik aufgewachsen. Ich habe bereits als Kind zur amerikanischen Musik gefunden. Mein Vater hat in Wien in einer Nachtbar, in der amerikanische GI's verkehrten, gesungen. Die Lieder von Sinatra habe ich mit ihm nachmittags mitgesungen, da war ich 8 oder 9 Jahre alt. Deswegen war ich schon ganz früh bei der amerikanischen Musik. Ich stamme also eigentlich aus einer Künstlerehe und meine Eltern haben mich sehr unterstützt.


    N. T.: Wie war die Schulzeit für Sie? Welche Erinnerungen haben Sie daran? Erst Salzburg, dann Wien und München... haben Sie als Kind unter den Ortswechseln gelitten oder fanden Sie das eher spannend?

    P. K.: Die Schulwechsel waren sehr schwierig. Sie waren auch seelisch nicht immer so leicht. Ich war ja auch in Internaten. In einem Internat am Chiemsee bin ich nach 2 ½ Monaten bei Nacht und Nebel abgehauen, weil ich es einfach nicht ertragen hatte und unglücklich war. Ich bin eigentlich ein Internatskind, ich war schon in der 4. Klasse der Volksschule in Wien im Internat, weil mein Vater sehr viel unterwegs war. Aber ich würde sagen, es hat mir nicht geschadet, im Gegenteil, es festigt. Im Internat musst Du kämpfen und schauen, dass Du jemanden darstellst, dass Du die anderen überzeugst, auch wenn Du bluffst. Ich war immer der große Bluffer, der anderen mit Schlägen gedroht hat, habe aber immer gezittert: „Um Gottes willen, wenn der jetzt wirklich hinhaut, was mache ich dann? Dann musst du ja wirklich zurückhauen.“ Ich war ja für damalige Zeit groß, aber sehr sehr dünn. Also nicht von der Statur, wo man sagt, „wenn der mir jetzt eine runterhaut, bekomme ich Angst“. Trotzdem hab ich immer den großen Maxe gespielt, aber das lernt man eben und das ist ja nicht schlecht.

    N. T.: Also haben Sie von klein auf gelernt, sich durchzubeißen?

    P. K.:
    Ja, das würde ich sagen.

    N. T.: Wie war die Reaktion Ihrer Eltern auf Ihren Berufswunsch Musiker oder Sänger?

    P. K.: Ich habe zuerst Filme gemacht und da war es schon klar, dass es mich in die gleiche Ecke wie meinen Vater treibt.

    N. T.: Sie sind also von Ihrem Vater unterstützt worden?

    P. K.: Ja, sehr. Ich war nicht das klassische Kind jener Zeit. Er war happy, als ich die Idee mit Rock 'n' Roll hatte, und er hat mich sehr unterstützt.

    N. T.: War es für Sie einfacher aufgrund des prominenten Vaters als Sänger Fuß zu fassen oder war es eher schwierig, weil Sie sich an ihm messen lassen mussten?

    P. K.: Es hat mir damals absolut geholfen, weil er die richtigen Verbindungen hatte. Es war noch eine andere Zeit, es gab noch keine Castings, sondern es ging über persönliche Kontakte: „Ich kenne da jemanden und den rufe ich mal an!“ Man musste schon Beziehungen haben.

    N. T.: Sind Sie auch an Ihrem Vater gemessen worden?

    P. K.: Nein, gemessen eigentlich nicht, weil er etwas ganz anderes machte, zumindest in meiner Anfangszeit und soo berühmt war er nicht, ich war sehr schnell berühmter als er. (lacht)

    N. T.: Wie ging Ihr Vater dann damit um?

    P. K.: Er war stolz. Er hat mich auch beraten. Durch die Familie hatte ich auch immer einen guten Rückhalt.

    N. T.: War Ihre Familie bei Auftritten dabei, wenn es sich einrichten ließ?

    P. K.:
    Ich war ja wahnsinnig viel unterwegs, da ging das nicht immer. Meine Mutter hat sich da auch sehr zurückgehalten. Mein Vater war öfter dabei. Wir waren arbeitsmäßig sehr eng verbunden. Wir haben Filme zusammen gedreht, bei einer Tournee von mir hat er moderiert. Er hat Sendungen gemacht, in denen ich mitwirkte und er Regie führte. Wir haben eigentlich sehr viel zusammengearbeitet. Es gab auch eine Filmproduktionsfirma, die wir zusammen geführt haben.

    N. T.: Sie waren ja gerade bei den weiblichen Fans sehr beliebt. Wie war das, wenn sich einem die Mädchen reihenweise zu Füßen werfen?

    P. K.: Angenehm (lacht) ausgesprochen angenehm. Für einen jungen Burschen ist das natürlich eine tolle Sache. Es war wert, es auszunutzen.

    N. T.: Wie denken Sie darüber, dass Ihr Sohn Mike musikalisch in Ihre Fußstapfen tritt?

    P. K.: Er macht schon lange Musik – aber mehr als Hobby. Er hat eine CD gemacht, die es auch im Internet gibt. Aber es ist in der heutigen Zeit sehr schwierig geworden, die Musik an den Mann zu bringen, die man gerne macht. Nachdem er selber schreibt und komponiert und sich ungern in eine Form pressen lässt, wird er es da auch schwierig haben. Beruflich ist er Werbefilm-Regisseur und gut im Geschäft. Musik machen macht wahnsinnig viel Spaß, wenn man beim Publikum mit der Musik Erfolg hat, die man gerne macht. Wenn Sie heute eine bestimmte Musik machen müssen, weil die verkauft wird oder weil die Plattenfirma oder der Produzent es so wünscht, dann ist es ein Beruf wie jeder andere. Dann ist es nichts besonderes. Also soll er die Gitarre nehmen, soll komponieren und Spaß haben mit seinen Freunden - das ist sein Hobby Ärgern kann er sich in seinem Beruf als Regisseur noch genug – dafür muss er nicht Musik machen

    N. T.: Haben Sie bei Ihren Auftritten noch Lampenfieber?

    P. K.: Es kommt ganz darauf an, welcher Art der Auftritt ist. Bei jedem Auftritt kann natürlich irgendetwas entstehen, was eine gewisse Portion Lampenfieber hervorruft, die aber notwendig ist. Sei es, es ist etwas Neues oder es regnet fürchterlich in Mülheim...

    N. T.: Das hoffe ich doch nicht!

    P. K.:
    Beim vorletzten Open Air ist z.B. im letzten Moment unser Tonmixer ausgefallen und ein völlig Fremder, der noch nie mit uns gearbeitet hat, musste einspringen – natürlich macht das total nervös. Es gibt immer Möglichkeiten, dass man nervös wird, das ist klar. Aber in der Regel wird man mit der Zeit schon ein wenig cooler.

    N. T.: Gibt es ein Maskottchen, das immer mit auf Reisen geht?

    P. K.: Nein eigentlich nicht. Auf meinem Schreibtisch steht ein kleines Schweinchen als Glücksbringer, das mir meine Frau vor langer, langer Zeit geschenkt hat.
    Ich schleppe keinen Teddybären aus meiner Kindheit mit.

    N. T.: Bleibt auf Tourneen auch mal Zeit, sich die Städte anzusehen?

    P. K.: Sehr selten eigentlich. Auf Tournee ist es ein ganz anderer Tagesablauf, der maximal vor der Abfahrt einen kleinen Spaziergang erlaubt – mehr eigentlich nicht. Die Strecken sind heute zu weit geworden. Der Tourneetag ist das Gegenteil von meinem normalen Leben. In meinem normalen Leben mache ich am Tag so viel, dass ich am Abend todmüde bin. Auf Tournee mache ich am Tag so wenig wie möglich, so dass ich am Abend in zwei Stunden die volle Energie heraus lassen kann. Da schone ich mich den ganzen Tag. In meinem normalen Leben schone ich mich überhaupt nicht. Ich mag es nicht, ich hasse es, mich zu schonen.

    N. T.: Können Sie sich unbehelligt in der Öffentlichkeit bewegen oder werden Sie überall angesprochen?

    P. K.: Die Menschen sind eigentlich alle sehr nett und respektvoll. Gewisse Dinge muss man natürlich meiden, wie z.B. Kaufhäuser oder Fußgängerzonen um die Stoßzeiten. Ich bin ein Typ, der sehr schnell erkannt wird, das hat auch etwas Positives – wenn es anders wäre, wäre es schlimmer.
    Ich war gerade erst in Büsum im Trubel. Da heutzutage jeder mit seinem Handy fotografiert, wurden ununterbrochen Fotos gemacht, immer mit einer anderen Frau im Arm, während der Papa fotografiert.

    N. T.: Seit wann leben Sie im Tessin?

    P. K.: Ich lebe schon seit über dreißig Jahren im Tessin, am Luganer See.

    N. T.: Warum ausgerechnet dort?

    P. K.: Das ist eine lange Geschichte...das geht zurück auf meinen zweiten Film mit Conny Froboess: „Conny und Peter machen Musik“ , den wir hier gedreht haben. In Deutschland wurde seinerzeit das Wasserskifahren und Motorbootfahren verboten. Wir haben uns dann hier am See ein Boot gekauft, sind hierhin in Urlaub gefahren. Meinen damaligen Freundinnen hat es hier gut gefallen, so haben wir uns etwas gemietet, später gekauft. Meiner Frau hat es auch sehr gut gefallen und wir sind geblieben. Unser Sohn ist hier in die amerikanische Schule gegangen.

    N. T.: Haben Sie noch Kontakt zu Schauspiel- und Musikkollegen, z.B. Jörg Maria Berg, mit dem Sie zusammen als James Brothers aufgetreten sind, oder Conny Froboess?

    P. K.: Ja, mit der Conny habe ich noch Kontakt. Wir sehen uns manchmal, wenn ich in München bin oder wenn wir eine gemeinsame Fernsehsendung machen. Sie spielt in erster Linie Theater, ist voll ausgelastet am Theater in München und dort sehr erfolgreich.
    Der Jörg ist etwas älter als ich und macht nicht mehr sehr viel. Er hat mein Konzert in Wien besucht, wo wir uns wieder mal gesehen haben. Es war das letzte Konzert der Tournee, das es übrigens jetzt als DVD auf dem Markt gibt. „Nimm Dir Zeit“ hieß die Tournee mit Big Band - und es war ein tolles Konzert. Im September hat ein Wiener Rock 'n' Roll-Freund, Geburtstag und gibt ein großes Konzert im Austria-Center. Nur zum Spaß singen wir dann mal wieder als James Brothers.
    So viele Kollegen aus der damaligen Zeit sind leider nicht mehr da, da muss man die wenigen Kontakte noch pflegen.

    N. T.: Welche Musik hört der Privatmann Peter Kraus?

    P. K.: Als Privatmensch höre ich natürlich vorwiegend das, womit ich mich gerade beschäftige. Im letzten Jahr, als ich die CD „Nimm Dir Zeit“ gemacht habe, habe ich sehr viel Bigband-Musik gehört. Dann höre ich das, was momentan gerade aktuell ist und was mich interessiert. Zum Relaxen höre ich gerne alten guten Blues oder Swing und Jazz, Weltklassiker sowie die alten Haudegen. Ich habe mir Pink in Bern angeschaut sowie Konzerte von Rod Stewart und Prince – also die ganze Palette von dem, was einen interessiert oder interessieren sollte bis zu denen, bei man sich freut, dass sie noch auf die Bühne gehen. So, wie sich die Leute über mich freuen, hoffe ich zumindest (lacht).

    N. T.: Welches war die eigene Lieblingsplatte oder gibt es eine Platte, bei der Sie heute sagen „Oh Gott, was habe ich da gemacht“?

    P. K.: Die gibt es eigentlich nicht, weil ich zu den Dingen, die ich gemacht habe, stehe. Man muss sich ja auch immer wieder in die Zeit hinein versetzen. Die allerersten Rockplatten sind aus heutiger Sicht lustig, weil wir technisch natürlich total hinter den Amerikanern waren, die das ja schon seit Jahren gemacht haben. Es gab gar keine Gitarristen, die so etwas spielen konnten. Das soll aber nicht als Entschuldigung klingen, weil die Musik nicht ganz so klingt, wie man das gewollt hätte.
    Man hängt eigentlich immer an dem aktuellen Kind, die aktuelle Platte ist immer die interessanteste. Diese spielt man live auch sehr viel. Man sagt vielelicht, heute könnte ich einiges besser machen, was nicht unbedingt stimmen muss, was man sich aber einbildet. Wenn man Songs x-mal live gesungen hat, glaubt man, sie besser singen zu können als damals im Studio.Ich höre meine Platten - wenn ich sie höre - mit einem Augenzwinkern. Aber die aktuelle Platte ist immer noch die interessanteste und so muss es auch sein.

    N. T.: Gibt es einen verrückten Wunsch, den Sie sich erfüllen möchten?

    P. K.: Nein, mit der Harley über die Route 66 bin ich doch schon gefahren.

    N. T.: Gibt es einen Kindheitstraum, den Sie sich erfüllen möchten?

    P. K.: Eigentlich nicht, weil ich im Laufe der Zeit festgestellt habe, dass es einfach am schönsten ist, die Dinge auszunutzen und voll auszukosten, die man hat. Ich glaube, es ist eine Krankheit unserer heutigen Zeit, dass wir immer Wünsche haben und wir uns diese Wünsche erfüllen und dann schon gar nicht mehr so glücklich darüber sind und dem nächsten Wunsch hinterherjagen.

    Das kann auch altersbedingt sein, denn früher war ich genauso. Da ich schon sehr früh sehr viel Geld verdient habe, konnte ich mir auch die meisten Wünsche erfüllen. Heute neige ich eher dazu zu sagen, das was ich gerne habe oder gerne tue, richtig voll auszukosten ist vernünftiger als sich einen Traum zu verwirklichen. Ich fahre also lieber mit meinem Oldtimer und mit meiner Frau in die Toskana als nach Dubai zu fliegen. Es ist auch gefährlicher geworden und nicht mehr so einfach, zu verreisen., es ist irgendwie alles komplizierter und umständlicher geworden. Ich neige immer mehr dazu mich zurückzuziehen.

    Ich wohne direkt am See, ich habe mein Motorboot, mein Segelboot, kann Wasserski und Kanu oder mit dem Rennrad um den See fahren – was will der Mensch noch mehr.
    Wenn ich noch Wünsche hätte, dann wären es aufwendigere Dinge, die ich nicht mehr machen muss.

    N. T.: Was bedeutet die Malerei für Sie? Welchen Malstil bevorzugen Sie?

    P. K.:
    Ich hab schon lange nicht mehr gemalt. Ich hab einen Galeristen, der mich immer wieder dazu ermutigen will, aber ich finde die Zeit nicht, weil ich in meiner Freizeit mit meinen Autos und mit meinem Sport beschäftigt bin.
    Ich habe auch Ausstellungen gemacht und die meisten Sachen verkauft, daher habe ich nicht mehr so viel. Mein Malstil ist ein sehr farbenfroher Pop-Art-Stil mit sehr krassen grellen Farben, ein sehr lebensfroher Stil.

    N. T.: Welche Autos haben Sie denn?

    P. K.:
    Ich habe ein paar Oldtimer und restauriere sie. Ich fahre damit Rallyes und Bergrennen. Im September nehme ich an der Arosa Classic Car teil, die sehr schön ist. Ich fahre mit einem AC Bristol, dem Urauto der Cobra. Der AC Bristol ist 1952 von einer englischen Firma konstruiert worden – ein unheimlich schönes, zartes Auto, das auch sehr schnell ist. Es gibt nur sehr wenige Bristol – inzwischen ist es ein sehr wertvolles Auto.

    N. T.: Welches Gefühl war es, als Sie 2006 den Echo für Ihr Lebenswerk erhielten? Stimmt so eine Auszeichnung auch nachdenklich?

    P. K.: Man sagt immer fürs Lebenswerk: ich höre ja noch nicht auf. Die Begründung für den Echo war, dass ich mich um den Rock 'n' Roll in Deutschland und den Import der Jugendmusik gekümmert habe. Viele sagen, die Jugendmusik hätte sich nicht weiterentwickelt, wenn das nicht stattgefunden hätte, das gilt genauso für Cliff Richard in England oder Celentano in Italien. Der große John Lennon hat einmal gesagt, wenn es den Rock 'n' Roll nicht gegeben hätte, dann wäre auch nie eine Formation wie die Beatles entstanden.
    Ich mache aber weiter und hoffe, dass ich noch einen zweiten Echo für mein Lebenswerk bekomme – irgendwann.

    N. T.: Dann haben Sie noch ein paar Projekte im Hinterkopf?


    P. K.: Ich mache derzeit eine neue CD, die im nächsten Jahr erscheint, 2012 gibt es wieder eine große Tournee in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ob dies die letzte Tournee sein wird, werden wir noch entscheiden. Die vergangene Tournee war eine Big-Band-Tournee, in Mülheim machen wir wieder mehr Rock 'n' Roll, gemischt mit neuen Sachen. Die nächste Tournee wird ganz was anderes – aber das verrate ich nicht. Die Zeit geht so schnell um, deshalb denke ich ja schon jetzt darüber nach, was ich in 2012 mache.

    N. T.: Waren Sie schon einmal in Mülheim ?

    P. K.:
    Ja. Ich bin in der Gegend auch sehr viel getingelt, wie man so schön sagt – eine gute und lustige Zeit. Die schönsten Erinnerungen ans Ruhrgebiet verbinde ich mit den Irrfahrten, bis man die Halle endlich gefunden hatte. Nach fünfmal Fragen hat man festgestellt, dass man gar nicht mehr in Mülheim sondern ganz woanders gelandet war.
    André Tolba, mein Gitarrist, ist Mülheimer, es ist also ein Heimspiel für ihn.

    N. T.: Dann kann er Sie ja auch durch die Mülheimer Baustellen lotsen...

    P. K.:
    Ja hoffentlich!
    André macht sehr viel in der Gegend, er war Co-Produzent und Gitarrist von Dick Brave bzw. Sasha. Er hat lange bei ihm gespielt. Seit Sasha aufgehört hat, spielt er bei mir, denn er ist ein ausgesprochener Rock 'n' Roll-Spezialist und toller Bursche.

    N. T.: Haben Sie eigentlich noch Ihre allererste Gitarre, mit der Sie spielen gelernt haben?

    P. K.: Nein, die ist irgendwie verschollen. Es gibt ein kleines Museum in Zürich mit verschiedenen Gitarren von mir. Ich habe keine großen Beziehungen dazu. Es hängen auch keine Fotos und Plakate von mir in meinem Haus. Man sieht nicht, dass hier jemand lebt, der sich mit Showbusiness und Musik beschäftigt. An den Wänden hängen selbstgemalte Bilder, die ich nicht verkaufe. Der Maler, der mir in den Anfängen geholfen hat, hat einmal gesagt: die Bilder, die Dir gefallen und bei denen Du das Gefühl hast, das kann ich nicht wiederholen, die musst Du auf alle Fälle behalten. Hast Du das Gefühl, Du kannst sie morgen wieder genauso gut und schön malen, kannst Du sie auch verkaufen. Es gibt Bilder, vor denen ich stehe und mich frage, wie ich das gemacht habe – das bekomme ich nicht mehr hin und die gebe ich nicht her.

    N. T.: Sie leben seit über 30 Jahren im Tessin – ist das auch Ihr Traumland?

    P. K.:
    Ja, ich möchte schon hier bleiben. Das Tessin ist eine unheimlich schöne Ecke. Wie ich immer sage: es ist ein gepflegteres Italien.

    N. T.: Gibt es eine Frage, auf die Sie gewartet haben, die Ihnen aber noch nie gestellt worden ist?


    P. K.: (lacht) Die gibt es, glaube ich, nicht. Ich habe irgendwann einmal angefangen, die Fragen, die mir so einfallen würden, aufzuschreiben, aber das habe ich dann wieder aufgegeben. Ich wollte einfach einmal ein Selbstinterview machen. So werden aber die Fragen gestellt, wo das Interesse am größten ist, warum soll ich da mit meinen Nebensächlichkeiten aufwarten.

    N. T.: Das kann aber durchaus interessant sein...

    P. K.:
    Ja, da kann was dabei sein, gell (lacht)

    N. T.: Herr Kraus, danke, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben.


    P. K.: Das habe ich gerne gemacht für Sie.